Mukoviszidose

Was ist Mukoviszidose?
In Deutschland leben etwa 8.000 Betroffene mit Mukoviszidose und jedes Jahr kommen rund 300 Kinder mit Mukoviszidose auf die Welt. Damit gehört Mukoviszidose zu den seltenen Erkrankungen.
Der Begriff Mukoviszidose setzt sich aus den lateinischen Wörtern mucus (Schleim) und viscidus (zäh) zusammen. Infolge eines Gendefektes wird in vielen Organen des Körpers ein sehr zäher Schleim produziert. Bereits im Kindesalter können verschiedene Krankheitserscheinungen auftreten. Vor allem die Lunge und die Bauchspeicheldrüse, aber auch weitere Organe, zum Beispiel Leber oder Gallenblase und die Gallenwege, sind von der Erkrankung betroffen.

Die Ursache für Mukoviszidose ist ein Fehler im Erbgut
Seit 1989 weiß man, dass dieser Fehler auf dem Chromosom 7 im so genannten CFTR-Gen liegt. CFTR (Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator), auf deutsch Regulator der Transmembran-Leitfähigkeit bei cystischer Fibrose, ist ein Eiweiß, welches den Ionentransport von Chlorid und Natrium reguliert.

Mittlerweile sind mehr als 1.500 Mutationen im CFTR-Gen bekannt
Wie der Name andeutet, reguliert das aus dem Gen hergestellte Protein - das CFTR-Protein - die Leitfähigkeit einer biologischen Membran. An der Oberfläche von Körperzellen befinden sich Kanäle (Regulatoren), durch die Salze und Wasser und damit auch elektrische Ströme fließen. Bei cystischer Fibrose ist der Salz- und Wassertransport und folglich der Stromfluss gestört.

Die Folge: Zäher Schleim verstopft lebenswichtige Organe
Die Veränderungen im CFTR-Protein führen aufgrund des gestörten Salz- und Wassertranports dazu, dass ein zäher Schleim eine Reihe lebenswichtiger Organe verstopft: vor allem die Lunge, die Bauchspeicheldrüse, die Leber und der Darm sind davon betroffen.

Die wichtigsten Kennzeichen sind Lungenentzündungen, starkes Untergewicht und Verdauungsprobleme
Die Veränderungen in Bauchspeicheldrüse und Darm können schon im Mutterleib zu Obstipationen ("Verstopfung") führen. einen ersten Hinweis auf eine Mukoviszidose kann also schon ein per Ultraschall im Mutterleib diagnostizierter Mekoniumilleus (Darmverschluss mit dem sog. Kindspech) geben. Weitere Verdachtsmomente beim Neugeborenen sind sog. Gedeihstörungen, starkes Untergewicht, Verdauungsprobleme, fettige Stühle und/oder Verstopfung. Der Schleim in der Lunge bietet einen hervorragenden Nährboden für Bakterien. Die Bakterien verursachen Entzündungen und zerstören dadurch langfristig das Lungengewebe. Verdacht auf Mukoviszidose besteht also auch, wenn ein Kind ständig hustet und bereits im Säuglingsalter an Lungenentzündung erkrankt. Der Krankheitsverlauf ist individuell sehr unterschiedlich. Es können nur einzelne oder auch viele Organe betroffen sein. Auch die Schwere der Krankheitsausprägung kann stark variieren.
Besteht ein Verdacht auf Mukoviszidose sollte unbedingt das Diagnoseverfahren eingeleitet werden, um so schnell wie möglich mit der Therapie beginnen zu können. Hilfe durch Medikamente, Inhalationen und Krankengymnastik
Mukoviszidose ist bis heute nicht heilbar, aber inzwischen gut behandelbar. Viele Mukoviszidose-Patienten müssen ihr ganzes Leben lang Medikamente einnehmen: Enzyme der Bauchspeicheldrüse (Pankreasenzympräparate), schleimverflüssigende Wirkstoffe (Mukolytika) und Antibiotika. Sie müssen regelmäßig inhalieren und täglich spezielle Atemtherapien und krankengymnastische Übungen durchführen, um den zähen Schleim in den Atemwegen zu lockern und zu entfernen.
Heute geborene Kinder mit Mukoviszidose haben die Chance, 50 Jahre und älter zu werden
Dank fortgeschrittener Therapien und immer früherer Diagnosestellung steigt die Lebenserwartung der Betroffenen kontinuierlich. Während 1980 nur einer von hundert Betroffenen die Volljährigkeit erreichte, sind es heute fast 50 Prozent. Ein heute Neugeborenes mit Mukoviszidose hat die Chance, 50 Jahre und älter zu werden.

Vererbung
Jeder Mensch trägt in jeder seiner Körperzellen die gesamte Erbinformation - sozusagen das Buch des menschlichen Lebens. Die Information ist auf verschiedene Chromosomen verteilt. Einzelne Chromosomen beschreiben dabei einzelne Buchkapitel, während die Gesamtheit der Chromosomen das Buch des Lebens ausmachen.
Die Chromosomen seines ganz persönlichen "Buch des Lebens" erhält der Mensch zu gleichen Teilen von der Mutter und vom Vater. Auf dem 7. Chromosom - dem siebten Kapitel des Lebens - liegt neben zahlreichen anderen Genen auch das CFTR-Gen, das die Information über die Struktur des CFTR-Kanals enthält. Jeder Mensch hat also zwei CFTR-Gene, eins von der Mutter, eins vom Vater. In der Regel erhält das Kind in jedem Fall zwei "normale" CFTR-Gene und ist gesund. Ist eines der beiden Gene verändert (=mutiert) und erhält das Kind entweder von der Mutter oder vom Vater ein mutiertes Gen, aber vom zweiten Elternteil ein "normales" Gen, ist das Kind ebenfalls gesund. Dieser Vererbungsgang wird rezessiv (zurücktretend) genannt und bedeutet, dass das "unveränderte" Gen die volle Funktion übernimmt, das mutierte Gen wird "nicht beachtet". Das Kind ist gesund, gleichzeitig aber Merkmalsträger. Sind beide Gene, die das Kind von den Eltern erhält, mutiert, hat das Kind Mukoviszidose.
Mutter und Vater geben also jeweils eins ihrer beiden CFTR-Gene an das Kind weiter. Tragen beide Eltern nur unveränderte Gene, können sie auch nur normale Gene an ihr Kind weiter geben. Sind beide Eltern Merkmalsträger -selber gesund, tragen aber jeweils ein mutiertes Gen in sich - kann es passieren, dass das Kind von jedem Elternteil das mutierte Gen erhält und somit Mukoviszidose hat. Aus Partnerschaften, wo beide Eltern Merkmalsträger sind, besteht bei jeder Schwangerschaft ein 25%-Risiko ein CF-Kind zu bekommen, in 75% gesunde Kinder, wobei in 50% sind das Kinder ohne CF, aber Merkmalsträger.

Wie sich Mukoviszidose vererbt Etwa jeder 20. Mensch der weißen Bevölkerung trägt ein mutiertes CFTR-Gen in seinem Erbgut. Damit bekommt statistisch gesehen jedes 400. Elternpaar neben gesunden Kindern, auch ein krankes Kind. Falls ein von Mukoviszidose Betroffener einen Partner mit Mukoviszidose hat - bedeutet dies, beide Elternteile jeweils zwei mutierte Gene tragen. Sie können somit nur Kinder bekommen, die ebenfalls Mukoviszidose haben. Wählt sich ein von Mukoviszidose Betroffener einen gesunden Merkmalsträger zum Partner, also einen Partner mit nur einem mutierten Gen, werden statistisch zwei von vier Kindern ebenfalls Mukoviszidose bekommen. Ist sichergestellt, dass der Partner eines von Mukoviszidose betroffenen Menschen kein Merkmalsträger ist, wird keins der Kinder unter der Krankheit leiden, alle Kinder werden aber ihrerseits Merkmalsträger sein.

Symptome
Der Defekt im CFTR-Gen betrifft alle Organe, in denen das Genprodukt – der CFTR-Kanal – eine Rolle spielt. Den CFTR-Kanal findet man in der Lunge, in der Bauchspeicheldrüse, in allen Schweißdrüsen des Körpers, in der Leber, der Niere und den Geschlechtsorganen.

Symptome der Krankheit Mukoviszidose sind individuell sehr unterschiedlich und hängen von der Art der Veränderung des Gens (Mutation) ab. In der Regel zeigen sich die Symptome bei den Atemwegen und der Lunge. Aber auch die Verdauungsorgane, wie die Bauchspeicheldrüse, sind häufig betroffen.
Die häufigsten Symptome sind:

  • - chronischer Husten (meistens mit Schleimproduktion, so genannter produktiver Husten)
  • - Verdauungsstörungen
  • - Untergewicht
Im Verlauf der Krankheit können Komplikationen auftreten. Von der CF sind neben der Lungen auch die Leber, Gallenwege und Gallenblase (Gallensteine), die Nieren, die Knochen (Osteoporose) und auch die Geschlechtsorgane betroffen. Ein Großteil der männlichen CF-Patienten (95-98%) ist infertil. Das bedeutet, dass die Betroffenen keine Kinder zeugen können. Die Spermienproduktion ist jedoch vorhanden, so dass eine Vaterschaft durch künstliche Befruchtung möglich ist. Die Potenz ist von der Mukoviszidose nicht gestört, somit ist ein normales Sexualleben möglich.

Therapie
Mukoviszidose zu behandeln heißt, die Symptome zu behandeln. Bislang kann man die eigentliche Ursache der Mukoviszidose, den Gendefekt, nicht therapieren. Erste Versuche, das fehlerhafte Gen oder den mangelhaft funktionierenden Chloridkanal zu reparieren, waren nur im Experiment erfolgreich. Bislang gelang es nicht, betroffene Zellen und Organe zu reparieren, oder den Patienten gänzlich zu heilen. Für die Zukunft erscheinen diese Behandlungsstrategien jedoch Erfolg versprechend.

Je früher die Mukoviszidose nach der Geburt diagnostiziert wird, desto eher können vor dem Entstehen von Zell- und Organschäden Fehlfunktionen therapeutisch ausgeglichen werden.
Einige Organe sind bereits bei der Geburt funktionsgestört (wie Bauchspeicheldrüse - Pankreas), oder die Störung tritt, abhängig von äußeren Faktoren (Atemwegsinfekte), in den ersten beiden Lebensjahren ein.

    Allgemein gilt es, durch die Therapie
  • - Mangelzustände auszugleichen
  • - Fehlfunktionen zu kompensieren
  • - Organzerstörung und Funktionsausfall zu vermeiden
Ziel ist es, einen funktionellen Normalzustand zu erreichen, diesen möglichst über Jahre und Jahrzehnte zu erhalten und dabei dem Patienten ein Höchstmaß an Lebensqualität zu bieten. Dies wird erreicht durch
  • - Frühtherapie
  • - Schulungskonzepte
  • - Teamversorgung ("comprehensive care")
  • - qualitätskontrollierte Behandlungszentren
  • - psychosoziale Absicherung

Hilfe durch Medikamente, Inhalation und Krankengymnastik
Grundpfeiler der Behandlung sind die Sekretelimination (das Abhusten des Schleims) mit Hilfe von Krankengymnastik und Inhalationstherapie, die Therapie der häufigen Atemwegsinfektionen und die ausreichende Zufuhr von Energie, Enzymen und Vitaminen. Lebensqualität und Lebenserwartung steigen kontinuierlich Diese Therapieformen sind in den letzten Jahren immer weiter verbessert worden, so dass Lebensqualität und Lebenserwartung bedeutend gestiegen sind. In Phasen einer starken Lungenfunktionseinschränkung mit Sauerstoffunterversorgung oder auch mit einem Anstieg von Kohlendioxid kommt eine Therapie mit Sauerstoff und/ oder eine nicht invasive Beatmung (NIV) hinzu. Als letzte Therapiemöglichkeit der Lungenbeteiligung ist die Lungentransplantation zu sehen.